Unsere Autoren

Klaus Waschk
(Hamburg)

Övelgönne, 23 22605 Hamburg      
Tel.: 040 8801315  klaus@waschk.de

Biografie

1941 geb. in Insterburg/Ostpr.   
(Chernyakhovskiy, Russia)

1961 Abitur in Bremen

1961/62 Studium an der Philipps-Universität, Marburg (Kunstgeschichte, Archäologie, Germanistik, Arbeit im Institut für Malerei und Grafik bei J.H. Höhl)

1962/66 Studium an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart
(bei R. Daudert, Ch. Schellenberger, G. Böhmer)

1966/71 Studium an der Universität Hamburg, (Germanistik bei D. Möhn, H. Nicolai, H. Mayer)

1971/89 als Lehrer mit den Fächern Deutsch, Bildende Kunst, Pädagogik im Hamburger Schuldienst

1989 Berufung an die UDK Berlin als Prof. für Zeichnen und Malerei (nicht besetzt)

seit 1983 Lehrauftrag im Fach Zeichnen an der FH Hamburg, Fachbereich Gestaltung

1989 -2006 Professur im Fach Zeichnen an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg, Fachbereich Gestaltung –

2007 -2009 Gründungsdekan an der design-akademie-berlin, Berlin

1967 ff freischaffend (Kunst, Illustration), div. Ausstellungen, Buchprojekte und Auszeichnungen

Diese so übersichtliche Tabelle täuscht. Sie entwirft vereinfacht nachtragend Tätigkeitsfelder und ordentliche Abläufe, die so überschaubar nicht waren, im Gegenteil. Aber nach 80 Jahren lassen sich dennoch Arbeitsschwerpunkte, Interessenknoten und Leitmotive eingrenzen – für den Zeichner, Leser und auch Lehrer.

Die ersten 25 Jahre waren “ziemlich normal“. So ist auch der Titel eines biografischen Berichts, den ich 2019 mit 55 gezeichneten Bilderbögen veröffentlichen konnte (Klaus Waschk, ziemlich normal, Verlag Gudberg und Nerger, Hamburg 2019). Matthias Gubig schreibt darüber in den Marginalien (hrsg. von der Pirckheimer-Gesellschaft, 234.Heft 2019/3): „Beginnend mit der bitteren Realität: Vater gefallen, Mutter mit dem kleinen K. auf der Flucht, Leben und Einleben in der norddeutschen Fremde … Erinnerungen an Kindheit und Jugendjahre fordern drastische Übersteigerungen heraus, zugleich aber dokumentarisch klare Schilderung. (…) Authentischer geht’s nicht (…).    Nach dem Betrachten und Lesen der Waschk’schen Schilderung bleiben vor allem Momente rastlosen Suchens haften. Ich werde durch Kabuffs und Spelunken eines wüsten Studentenlebens geführt, auch durch die Lehr- und Hörsäle als Räume erotischer Träume und Aktionen des ’bohämisierenden Jungkünstlers’.

Und Matthias Gubig fragt etwas verwundert, wie ich es aus diesen chaotischen Zuständen zu hoher Zeichkunst und feiner Bildung’ bringen konnte. Zu schmeichelhaft … aber die Antwort findet er in einem Satz Demokrits in meinem Buch ‚Die Fragmente der Vorsokratiker’ (Abschriften/Zeichnungen, Hamburg 1999):  ’Weder Kunst noch Wissenschaft ist etwas Erreichbares, wenn man nicht lernt.’ Damit war ich dann in den folgenden 55 Jahren beschäftigt – in all den Jahren wunderbar unterstützt von der Bildhauerin Doris Waschk-Balz und unserem Sohn.

Es war ein Doppelleben, immer zweifach, als Lernender und Lehrer,
– nach dem Kunststudium als etwas seltsam verzogener Zeichner
– und als ein ordentlich Texte analysierender Leser und Linguist in der Literaturwissenschaft,
– als trotziger Selbstgänger und Nachtarbeiter am Zeichenbrett – und als Erfinder kommunikativer Lernsituationen en masse in Schule und Hochschule,
– als Verfechter einer absolut freien künstlerischen Grundausbildung auch für die ‚Anwender’, Designer und Illustratoren
– und dennoch auch als Mitarbeiter bei der Erfindung von Lehrplänen und Studienordnungen, damit jene Freiheiten gründlich gesichert werden konnten.

Natürlich, das war ’Arbeit, Arbeit, Arbeit’ (H. Kerkeling). Dabei wurde damals noch Papier angehäuft, wo heute Dateien rascher noch im externen Speicher, in der cloud im Nirgendwo, verschwinden. Hilfreicher und haltbarer waren und sind die Bücher, die für Kopf, Herz und Hand Bewegung und An- und Nach-schub gaben. So war ich jetzt während der Recherche zu meinem neuen Buch ’Vor&NachBilder’ erstaunt, wie sehr der eher private Umgang mit Literatur, die nicht direkt in Kunst und Lehre eingebracht wurde, Humus für die Arbeit, Entwicklung und Weltsicht war.

Rudolf Angeli und Peter Engel hatten mich angeregt, ein Werkverzeichnis der von mir illustrierten Bücher anzulegen und es als erstes Buch in ihrem gerade gegründeten Verlag herauszugeben. Der Vorschlag ehrte, erfreute natürlich und gab mir die Chance, versuchsweise den eigenen Vorlieben und Projekten nachzugehen – und über etwa 50 Jahre hinweg den eignen Zugriff, die Zeichnungen, die Prägungen und die NachBilder zu verfolgen.

Auffallend waren für mich bei der Recherche offensichtliche ’Verklumpungen’ (Th. Kapielski), d.h. ein unbedingter individueller Eifer, von bestimmten Autoren absolut alles gelesen zu haben. Und dahinter verbarg sich wohl auch, dass Lesen, Adaption und Identifikation sehr direkt und distanzlos Treiber in der eigenen Sozialisation waren. Vielleicht war so die totale Kafka-Vereinnahmung zu ausgiebig, die empathische Übernahme der Expressionisten, vor allem des frühen G. Benn, des G. Trakl – mit Zuflucht ins Groteske bei J. von Hoddis, bei O. Panizza – zu kopfunter. Seltener waren Erfahrungen mit den Klassikern. Dem Idealen, harmonisch Geschlossenen abgeneigt beschäftigten mich eher die antiidealistischen Umtriebe, Brechungen – und die fulminanten, skrupellos experimentellen Werke A. Schmidts.

So nah an mir, am Autor selbst, entlang ist nun dieses neue Buch ’Vor&NachBilder, Zeichnungen zur Literatur 1971 – 2021’, das ursprünglich als ordentliches Werkverzeichnis geplant war, etwas aus den Fugen geraten. Mit über 200 Zeichnungen zu den von mir selbst und Verlagen angeregten Ausgaben, mit eigenen und kollegialen Kommentaren, ist es für mich auch eine nicht unkritische Übersicht merkwürdiger Stationen in meinem ‚ziemlich normalen’ Zeichnerleben – und ein Vergnügen, das Zeichnen, “bei dem man das Wunder sieht, dass der ganze Geist unmittelbar in die Fertigkeit der Hand übergeht“ (Hegel) als aufregendes Angebot der Vermittlung zwischen Text und Leser im NachBild wahr zu nehmen. (wk)
(aus „Der Hamburger Bothe“ Nr. 4)